Claude in der EU nutzen: Anthropic API, Bedrock Frankfurt, Vertex AI und Microsoft Foundry im Vergleich

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Dominik Keller

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Claude lässt sich in der EU auf zwei Wegen mit garantierter EU-Verarbeitung nutzen: über Amazon Bedrock mit EU-Inferenzprofilen und über Google Vertex AI mit dem EU-Multi-Region-Endpunkt. Die Anthropic API kennt nur „global" und „us", Microsoft Foundry hat für Claude noch keine EU-Datenzone. Welcher Weg passt, hängt von Modell, Speicherregel und Vertragskette ab.

Die Frage „Dürfen wir Claude nutzen?" wird in Datenschutzabstimmungen meist mit einem Blick auf den Anbieter beantwortet. Das greift zu kurz. Dasselbe Modell verhält sich auf den vier Bezugswegen unterschiedlich: Es läuft in anderen Rechenzentren, unter anderen Verträgen, mit anderen Speicherfristen und zu anderen Preisen. Ein Team, das Claude Sonnet 5 über Bedrock in Frankfurt nutzt, hat eine andere Rechtslage als eines, das denselben Aufruf an api.anthropic.com schickt.

Dieser Artikel stellt die vier Wege nebeneinander: die Anthropic API (erste Partei), Amazon Bedrock, Google Vertex AI und Microsoft Foundry. Für jeden Weg beantworten wir dieselben fünf Fragen: Wer ist Vertragspartner, wo läuft die Inferenz, welche Claude-Modelle gibt es in der EU, was wird gespeichert, und was kostet die EU-Variante gegenüber dem Listenpreis. Die Angaben stammen aus den verlinkten Anbieterdokumenten und aus zwei eigenen Prüfungen vom 7. September 2026: der Abfrage der Bedrock-Inferenzprofile in Frankfurt und Testaufrufen gegen die EU-Endpunkte von Vertex AI.

Das Wichtigste in Kürze

  • Anthropic API: Vertragspartner für EWR-Kunden ist Anthropic Ireland Limited, die Inferenz läuft aber nur „global" oder „us". Eine EU-Option gibt es nicht, Daten liegen in den USA.

  • Amazon Bedrock: Neun aktuelle Claude-Modelle laufen über EU-Inferenzprofile in sechs EU-Regionen, ohne Speicherung als Standard. Fable 5 und Fable 5.1 gibt es nur mit weltweitem Routing und 30-tägiger Speicherung durch AWS.

  • Google Vertex AI: Opus 5, Sonnet 5 und Fable 5.1 sind für Europa als Multi-Region gelistet; Fable 5.1 verlangt die Zustimmung zu einer 30-tägigen Speicherung. Regionale Endpunkte kosten 10 Prozent Aufschlag.

  • Microsoft Foundry: Anthropic bleibt Verkäufer und Auftragsverarbeiter, Microsoft liefert nur Portal und Rechnung. Deployments gibt es als „Global Standard" oder „US Data Zone", eine EU-Datenzone ist als „Coming 2026" angekündigt.

  • Die Covered-Models-Regel von Anthropic (30 Tage Speicherung für Mythos 5, Mythos 5.1, Fable 5 und Fable 5.1) gilt auf allen vier Wegen. Wer sie umgehen will, muss auf Opus 5 oder Sonnet 5 ausweichen oder auf die Enterprise Frontier Safeguards warten.

Inhaltsverzeichnis

  1. Warum der Bezugsweg über die Rechtslage entscheidet

  2. Weg 1: Die Anthropic API

  3. Weg 2: Amazon Bedrock in Frankfurt und fünf weiteren EU-Regionen

  4. Weg 3: Google Vertex AI mit dem EU-Multi-Region-Endpunkt

  5. Weg 4: Microsoft Foundry

  6. Vergleichstabelle: vier Wege, fünf Kriterien

  7. Die Covered-Models-Regel gilt überall

  8. Was kostet der EU-Weg?

  9. Entscheidungshilfe: welcher Weg für welchen Fall

  10. Wie kontinent.ai Claude anbindet

  11. Häufige Fragen

Warum der Bezugsweg über die Rechtslage entscheidet

Der Bezugsweg legt fest, wer euer Auftragsverarbeiter ist, in welchem Rechenzentrum die Inferenz läuft und welche Speicherregeln gelten. Das Modell ist auf allen Wegen dasselbe, die Rechtslage nicht. Drei Dinge unterscheiden sich je Weg:

  • Der Vertragspartner. Bei Bedrock schließt ihr den Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) mit Amazon Web Services EMEA SARL, bei Vertex mit Google Ireland Limited, bei der Anthropic API mit Anthropic Ireland Limited. Bei Microsoft Foundry ist es, anders als bei Azure OpenAI, ebenfalls Anthropic und nicht Microsoft.

  • Der Ort der Verarbeitung. Die Hyperscaler bieten EU-Regionen, die Anthropic API nicht. Das ist die Kernfrage für Art. 44 ff. DSGVO: Findet ein Drittlandtransfer statt, und wenn ja, mit welcher Grundlage?

  • Die Speicherregel. Ob und wie lange Prompts nach der Antwort gespeichert werden, hängt vom Weg und vom Modell ab. Was Zero Data Retention bei den großen Anbietern bedeutet und wo die Ausnahmen liegen, haben wir im Beitrag Zero Data Retention bei OpenAI, Anthropic und Google ausführlich beschrieben.

Weg 1: Die Anthropic API

Die Anthropic API bietet keine EU-Verarbeitung. Der Parameter inference_geo kennt laut Dokumentation genau zwei Werte: "global" (Standard, Inferenz „in jeder verfügbaren Geografie") und "us" (nur US-Infrastruktur). Der Speicherort für ruhende Daten, das „Workspace geo", lässt sich derzeit ausschließlich auf "us" setzen. Unter „Current limitations" steht es ausdrücklich: Nur „us" und „global" sind verfügbar.

Vertraglich ist der Weg dagegen europäisch aufgesetzt. Die Commercial Terms definieren als Vertragspartner „Anthropic Ireland, Limited if Customer resides in the European Economic Area, Switzerland or UK", mit irischem Recht und Streitbeilegung in Dublin. Das Data Processing Addendum ist per Verweis Bestandteil der Terms und enthält die EU-Standardvertragsklauseln (Modul 2 und 3). Training auf Kundeninhalten ist ausgeschlossen. Für die Bewertung heißt das: Ihr habt einen EU-Vertragspartner mit SCCs, aber die Verarbeitung findet in den USA oder weltweit statt. Ein Transfer Impact Assessment ist damit Pflicht, nicht Option.

Zwei Details, die in Gesprächen oft fehlen: Erstens kostet die US-Beschränkung Geld. Für Claude 4.6 und neuere Modelle berechnet Anthropic bei inference_geo: "us" das 1,1-Fache des Listenpreises auf alle Tokenkategorien. Zweitens gilt dasselbe für „Claude Platform on AWS", das Anthropic selbst über den AWS Marketplace betreibt. Die Dokumentation sagt dazu: Daten „might not reside in AWS", die Inferenz „might route to Anthropic's primary cloud". Das ist kein Bedrock-Ersatz, sondern die Anthropic API mit AWS-Rechnung.

Auf ihrer Seite zur regionalen Verfügbarkeit führt Anthropic für Europa nur AWS Bedrock und Google Vertex AI als verfügbare Wege; Microsoft Foundry steht dort auf „Coming 2026". Die eigene API taucht in dieser Tabelle nicht auf.

Weg 2: Amazon Bedrock in Frankfurt und fünf weiteren EU-Regionen

Amazon Bedrock ist heute der Weg mit der größten Claude-Auswahl in der EU. Wir haben am 7. September 2026 mit der AWS-CLI die Inferenzprofile in der Region eu-central-1 abgefragt. Ergebnis: Neun aktuelle Claude-Modelle haben ein EU-Profil mit dem Präfix eu.: Haiku 4.5, Sonnet 4.5, Sonnet 4.6, Sonnet 5, Opus 4.5, Opus 4.6, Opus 4.7, Opus 4.8 und Opus 5. Jedes dieser Profile darf Anfragen in genau sechs Zielregionen verarbeiten: Frankfurt (eu-central-1), Irland (eu-west-1), Paris (eu-west-3), Stockholm (eu-north-1), Mailand (eu-south-1) und Spanien (eu-south-2). AWS dokumentiert, dass die Zielregionsliste eines geografisch gebundenen Profils sich nie ändert. Eine Anfrage an eu.anthropic.claude-sonnet-5 aus Frankfurt bleibt also in der EU, kann aber in Stockholm beantwortet werden.

Die Ausnahme sind die neuesten Modelle. Fable 5 und Fable 5.1 werden in Frankfurt und Dublin als Foundation Models geführt, haben aber ausschließlich ein global.-Profil. Ein globales Profil darf laut AWS in alle kommerziellen Regionen routen, also auch nach Nordamerika und Asien. Wer Fable auf Bedrock nutzt, hat damit keine EU-Zusage, egal aus welcher Region der Aufruf kommt.

Speicherung. Bedrock arbeitet nach eigener Dokumentation mit „zero operator access" und speichert Ein- und Ausgaben standardmäßig nicht. Für Fable 5 und Fable 5.1 gilt eine Ausnahme: „all traffic will be retained for up to 30 days for automated offline abuse detection", geflaggte Inhalte kann AWS-Personal prüfen. Die Daten bleiben laut AWS innerhalb der AWS-Grenze und werden nicht an Anthropic weitergegeben. Um Fable überhaupt aufrufen zu können, müsst ihr den Data-Retention-Modus eures Kontos oder Projekts auf aws_review setzen; unter none oder default meldet Bedrock das Modell als „unavailable". Kunden, die für die Enterprise Frontier Safeguards berechtigt sind, erhalten ZDR bis zum 31. Dezember 2026. Wer Cross-Region-Inferenz nutzt, sollte wissen: Gespeicherte Daten liegen in der Zielregion, in der die Anfrage verarbeitet wurde.

Vertrag. Vertragspartner ist Amazon Web Services EMEA SARL in Luxemburg, der AVV ist der AWS GDPR Data Processing Addendum. Die AWS Service Terms zählen die Dienste, deren Inhalte AWS zum Training nutzen darf, abschließend auf; Bedrock steht nicht darauf. Der Trainingsausschluss ist damit vertraglich, nicht nur eine Produktaussage.

Weg 3: Google Vertex AI mit dem EU-Multi-Region-Endpunkt

Auf Google Cloud, das die Plattform inzwischen „Gemini Enterprise Agent Platform" nennt, liegen die aktuellen Claude-Modelle für Europa auf einem Multi-Region-Endpunkt. Googles Modellseiten listen für Opus 5, Sonnet 5 und Fable 5.1 unter „Model availability" und „ML processing" jeweils „Europe: Multi-region"; einzelne EU-Regionen wie europe-west1 gibt es dort nur noch für ältere Modelle, etwa Haiku 4.5. Die Anthropic-Dokumentation bestätigt das: Regionale Endpunkte unterstützen Sonnet 4.6 und früher, neuere Modelle laufen über die globalen oder Multi-Region-Endpunkte. Der EU-Endpunkt heißt aiplatform.eu.rep.googleapis.com und verteilt Anfragen dynamisch auf Regionen innerhalb der EU.

Wir haben das am 7. September 2026 aus unserem eigenen Google-Cloud-Projekt geprüft, mit Testaufrufen von einem Token. Opus 5 antwortete über den EU-Multi-Region-Endpunkt mit HTTP 200. Dieselbe Anfrage an die Einzelregionen europe-west1 und europe-west4 lief in ein Kontingent von null (HTTP 429): Das Modell ist dort angeboten, aber Google vergibt für Einzelregionen feste Quoten, die man beantragen muss. Fable 5.1 lieferte am EU-Endpunkt HTTP 403 mit dem Hinweis, dass für den Publisher Anthropic erst „data sharing" freigeschaltet werden muss. Sonnet 5 war in unserem Projekt unter dieser Modell-ID noch nicht freigeschaltet; laut Googles Modellseite ist es für Europa als Multi-Region gelistet.

Speicherung. Anthropic verweist für Vertex ausdrücklich auf Google: „Data handling for this offering is governed by Google Cloud." Googles Service Specific Terms verpflichten Google, Prompts nicht länger zu speichern, als für die Antwort nötig ist, und die Ausgaben nicht ohne Erlaubnis aufzubewahren; Training auf Kundendaten ist ausgeschlossen. Für Fable 5.1 gilt auch hier die Ausnahme: Googles Modellseite nennt eine Speicherung aller Prompts und Antworten bis zu 30 Tage zur Missbrauchsüberwachung, und die Freischaltung verlangt die Zustimmung zum „Advanced AI Safety Addendum" im Model Garden. Genau diese Zustimmung fehlte bei unserem 403.

Vertrag. Vertragspartner ist Google Ireland Limited, der AVV ist das Cloud Data Processing Addendum. Ein Punkt, den AWS so nicht hat: Googles Service Specific Terms binden neben der Speicherung auch die ML-Verarbeitung an die gewählte Region. Für Fable 5.1 kommt das Safety Addendum als weiterer Vertragsbaustein dazu.

Weg 4: Microsoft Foundry

Microsoft Foundry ist für Claude heute kein EU-Weg. Anfang Juli 2026 erreichten Opus 4.8 und Haiku 4.5 dort die allgemeine Verfügbarkeit, Sonnet 5 folgte, jeweils mit Azure-Authentifizierung, Azure-Rechnung und Entra-ID. Die Datenlage steht in Microsofts eigener Vergleichstabelle vom 24. Juli 2026: Verkäufer ist Anthropic, Auftragsverarbeiter ist Anthropic, die Speicherung richtet sich nach Anthropics Data Processing Addendum und Commercial Terms. Microsoft liefert das Portal, die Infrastruktur und die Abrechnung in „Claude Consumption Units". Wer aus Azure OpenAI gewohnt ist, dass Microsoft der Auftragsverarbeiter ist, muss hier umdenken.

Es gibt zwei Hosting-Varianten. „Hosted on Azure" verarbeitet Prompts und Antworten auf Azure-Infrastruktur; ruhende Daten liegen in der gewählten Azure-Geografie, die Verarbeitung ist auf die Deployment-Typen „Global Standard" und „Data Zone Standard (US)" beschränkt. Nur Nutzungsmetadaten und von Anthropics Sicherheitssystemen geflaggte Inhalte gehen an Anthropic. „Hosted on Anthropic" bietet alle Modelle einschließlich Fable, aber nur als „Global Standard", und die Daten „might be processed outside of Azure including outside of your selected Azure region". Eine EU-Datenzone existiert in keiner der beiden Varianten. Anthropic führt Foundry für Europa als „Coming 2026", ohne Datum. Ein Foundry-Endpunkt in Sweden Central ändert daran nichts: Er läuft als Global Standard.

Wer Claude trotzdem über Foundry bezieht, weil Abrechnung und Governance im Azure-Konto liegen sollen, hat rechtlich dieselbe Ausgangslage wie bei der Anthropic API: Anthropic Ireland als Vertragspartner, SCCs, Verarbeitung außerhalb der EU. Die US Data Zone kostet wie bei der API das 1,1-Fache.

Vergleichstabelle: vier Wege, fünf Kriterien

Die Tabelle fasst den Stand vom 7. September 2026 zusammen. „EU-Verarbeitung" heißt: Inferenz und Speicherung nachweislich innerhalb der EU, belegt durch Dokumentation oder eigene Abfrage.

Kriterium

Anthropic API

Amazon Bedrock

Google Vertex AI

Microsoft Foundry

Vertragspartner (AVV)

Anthropic Ireland Limited

AWS EMEA SARL, Luxemburg

Google Ireland Limited

Anthropic (Verkäufer und Auftragsverarbeiter); Microsoft nur für Portal und Abrechnung

EU-Verarbeitung

Nein. Nur „global" oder „us"

Ja. eu.-Profile mit sechs EU-Zielregionen

Ja. EU-Multi-Region-Endpunkt, für ältere Modelle Einzelregionen

Nein. Global Standard oder US Data Zone; EU „Coming 2026"

Claude-Modelle in der EU

keine

9 aktuelle (Haiku 4.5 bis Opus 5); Fable 5 und 5.1 nur global

Opus 5, Sonnet 5, Fable 5.1 als Multi-Region; Haiku 4.5 in europe-west1

keine

Speicherung ohne Sondervereinbarung

bis 30 Tage; ZDR auf Antrag

keine (Standard); Fable 5 und 5.1: 30 Tage bei AWS

keine nach Service Specific Terms; Fable 5.1: 30 Tage bei Google

nach Anthropic-DPA; geflaggte Inhalte gehen an Anthropic

Preis gegenüber Listenpreis

Liste; „us" 1,1-fach

Liste; EU-Profil 10 % über global

Liste; Multi-Region und Region 10 % über global

Liste in CCU; US Data Zone 1,1-fach

Die Covered-Models-Regel gilt überall

Anthropic stuft Mythos 5, Mythos 5.1, Fable 5 und Fable 5.1 seit dem 9. Juni 2026 als „Covered Models" ein: Prompts und Ausgaben werden 30 Tage gespeichert, auch bei bestehenden Zero-Data-Retention-Verträgen. Die Regel ist keine Eigenschaft eines Bezugswegs, sondern des Modells, und sie gilt laut Anthropics Privacy Center auf allen Kanälen, also auch über Bedrock, Vertex und Foundry. Was sich je Weg ändert, ist nur, wer speichert:

  • Anthropic API: Anthropic speichert, in den USA.

  • Bedrock: AWS speichert innerhalb der AWS-Grenze, prüft geflaggte Inhalte selbst und gibt nichts an Anthropic weiter. Voraussetzung ist der Modus aws_review. Da Fable nur global geroutet wird, kann die Speicherung in einer Region außerhalb der EU liegen.

  • Vertex: Google speichert 30 Tage; Voraussetzung ist die Zustimmung zum Advanced AI Safety Addendum. Über den EU-Multi-Region-Endpunkt bleibt die Speicherung in Europa.

  • Foundry: Es gelten Anthropics Bedingungen; Fable gibt es nur in der Variante „Hosted on Anthropic".

Für die Praxis heißt das: Wer heute Claude ohne Speicherung in der EU braucht, nimmt Opus 5 oder Sonnet 5 über Bedrock oder Vertex. Wer Fable 5.1 braucht, akzeptiert 30 Tage Speicherung beim jeweiligen Cloud-Anbieter, oder wartet auf die Enterprise Frontier Safeguards, mit denen die Überwachungsdaten ab Herbst 2026 im eigenen Cloud-Konto liegen sollen. Auf Bedrock erhalten dafür berechtigte Kunden schon jetzt ZDR bis Jahresende.

Was kostet der EU-Weg?

Der Listenpreis ist auf allen vier Wegen derselbe, der Aufschlag für Datenresidenz nicht. Anthropic nennt für Sonnet 5 zwei US-Dollar pro Million Eingabetoken und zehn US-Dollar pro Million Ausgabetoken; die für den 1. September 2026 angekündigte Erhöhung auf drei und fünfzehn Dollar wurde laut Preisseite zurückgenommen. Opus 5 kostet fünf und 25 Dollar, Fable 5.1 zehn und fünfzig Dollar. Bedrock und Foundry übernehmen diese Sätze, Vertex ebenfalls; Foundry rechnet in „Claude Consumption Units" zu einem Cent pro Einheit ab.

Darauf kommt der Aufschlag für die Bindung an eine Geografie. Auf Bedrock und Vertex kosten regionale und Multi-Region-Endpunkte für alle Modelle ab Sonnet 4.5 zehn Prozent mehr als der globale Endpunkt. Auf der Anthropic API und auf Foundry kostet die US-Bindung zehn Prozent mehr, bringt aber keine EU-Verarbeitung. Anders gesagt: Der EU-Weg über einen Hyperscaler kostet denselben Aufschlag wie der US-Weg über Anthropic, nur dass ihr dafür tatsächlich EU-Verarbeitung bekommt. Rechnet außerdem mit dem Tokenizer-Effekt: Claude 4.7 und neuer erzeugen laut Anthropic rund 30 Prozent mehr Token für denselben Text als Sonnet 4.6 und älter.

Entscheidungshilfe: welcher Weg für welchen Fall

  1. Ihr braucht EU-Verarbeitung und die größte Modellauswahl: Bedrock mit eu.-Profilen. Neun aktuelle Modelle, sechs EU-Regionen, keine Speicherung als Standard, ein AWS-AVV.

  2. Ihr braucht Fable 5.1 mit Speicherung in der EU: Vertex über den EU-Multi-Region-Endpunkt, mit Zustimmung zum Safety Addendum. Auf Bedrock läuft Fable nur global.

  3. Ihr habt schon ein Google-Cloud-Projekt und wollt die ML-Verarbeitung vertraglich an die Region gebunden: Vertex. Für Einzelregionen vorher Quota beantragen; der Multi-Region-Endpunkt braucht das nicht.

  4. Ihr wollt alle Anthropic-Funktionen (Code Execution, Files, Skills) und könnt US-Verarbeitung vertreten: Anthropic API mit Anthropic Ireland als Vertragspartner, SCCs und dokumentiertem Transfer Impact Assessment. Bedrock und Vertex unterstützen die serverseitigen Werkzeuge nicht.

  5. Ihr wollt Claude im Azure-Konto abrechnen: Foundry funktioniert, ist aber rechtlich der Anthropic-Weg. Für EU-Verarbeitung auf die angekündigte EU-Datenzone warten.

Welche Fragen ihr in jedem Fall an den AVV stellen solltet, steht in der AVV-Checkliste für KI-Tools. Wie OpenAI und Gemini sich in derselben Frage verhalten, beschreibt der Beitrag OpenAI, Claude und Gemini in Europa nutzen ohne DSGVO-Risiko.

Wie kontinent.ai Claude anbindet

Wir routen Claude ausschließlich über Amazon Bedrock mit EU-Inferenzprofilen, aus Frankfurt mit Irland als Ausweichregion. Im Katalog stehen acht Claude-Modelle: Haiku 4.5, Sonnet 4.6, Sonnet 5, Opus 4.5, Opus 4.6, Opus 4.7, Opus 4.8 und Opus 5. Fable 5 und Fable 5.1 haben wir bewusst nicht aufgenommen, weil es dafür nur globale Profile gibt und eine Anfrage damit die EU verlassen könnte. Ob AWS inzwischen ein eu.-Profil für Fable anlegt, prüfen wir mit jedem Katalog-Check.

In unserem öffentlichen Anbieter-Ranking steht Bedrock beim Kriterium Zero Data Retention auf „teilweise", genau wegen der 30-Tage-Regel für bestimmte Modelle. Wer pro API-Schlüssel den Schalter „nur Anbieter mit Zero Data Retention" setzt, bekommt Claude deshalb erst dann über diesen Schlüssel, wenn wir die Einstufung nach einem ZDR-Nachweis für die von uns gerouteten Modelle anheben. Der Trainingsausschluss ist bei Bedrock vertraglich belegt und wird pro Schlüssel erzwungen. Welcher Anbieter und welche Region eine Antwort tatsächlich geliefert haben, steht in jedem Log-Eintrag; Prompts und Antworten protokollieren wir nicht. Was ein LLM-Gateway darüber hinaus leisten sollte und worin sich Kontinent von anderen EU-Alternativen zu OpenRouter unterscheidet, steht in den verlinkten Beiträgen.

Wenn ihr Claude neben GPT, Gemini und europäischen Modellen über einen Vertrag und eine OpenAI-kompatible API aus der EU heraus nutzen wollt, tragt euch auf die Warteliste ein.

Häufige Fragen

Bietet Anthropic EU-Datenresidenz für die Claude API an?

Nein. Der Parameter inference_geo der Anthropic API kennt nur „global" und „us", und das Workspace geo für ruhende Daten lässt sich nur auf „us" setzen. EU-Verarbeitung gibt es für Claude ausschließlich über Amazon Bedrock mit EU-Inferenzprofilen und über Google Vertex AI mit dem EU-Multi-Region-Endpunkt. Anthropic Ireland Limited ist zwar Vertragspartner für EWR-Kunden, verarbeitet aber nicht in der EU.

Welche Claude-Modelle laufen auf Amazon Bedrock in der EU?

Stand 7. September 2026 haben neun aktuelle Modelle ein EU-Inferenzprofil: Haiku 4.5, Sonnet 4.5, Sonnet 4.6, Sonnet 5, Opus 4.5, Opus 4.6, Opus 4.7, Opus 4.8 und Opus 5. Die Profile routen in sechs EU-Regionen: Frankfurt, Irland, Paris, Stockholm, Mailand und Spanien. Fable 5 und Fable 5.1 haben nur ein globales Profil und können außerhalb der EU verarbeitet werden.

Ist Claude über Microsoft Foundry DSGVO-konform in der EU nutzbar?

Derzeit nur mit Drittlandtransfer. Claude in Foundry gibt es als „Global Standard" oder „US Data Zone Standard", eine EU-Datenzone ist für 2026 angekündigt. Auftragsverarbeiter ist Anthropic, nicht Microsoft; die Speicherung richtet sich nach Anthropics DPA. Rechtlich entspricht der Weg damit der Anthropic API, nur mit Azure-Rechnung und Entra-ID-Anmeldung.

Speichert Bedrock meine Prompts, wenn ich Claude nutze?

Standardmäßig nicht. Bedrock speichert Ein- und Ausgaben laut AWS-Dokumentation nicht und hat keinen Operatorzugriff. Ausnahme sind Fable 5 und Fable 5.1: Für sie speichert AWS den gesamten Verkehr bis zu 30 Tage zur Missbrauchserkennung, prüft geflaggte Inhalte selbst und gibt nichts an Anthropic weiter. Dafür muss der Data-Retention-Modus des Kontos auf aws_review stehen.

Was kostet Claude in der EU gegenüber dem Listenpreis?

Auf Bedrock und Vertex kosten EU-gebundene Endpunkte für Modelle ab Sonnet 4.5 zehn Prozent mehr als der globale Endpunkt. Die Listenpreise selbst sind auf allen Wegen gleich: Sonnet 5 zwei und zehn US-Dollar, Opus 5 fünf und 25 US-Dollar, Fable 5.1 zehn und fünfzig US-Dollar je Million Eingabe- beziehungsweise Ausgabetoken. Die US-Bindung auf der Anthropic API kostet ebenfalls zehn Prozent, ohne EU-Verarbeitung.

Gilt die 30-Tage-Speicherung für Fable 5.1 auch auf Bedrock und Vertex?

Ja. Die Covered-Models-Regel ist an das Modell gebunden, nicht an den Bezugsweg. Auf Bedrock speichert AWS 30 Tage innerhalb der AWS-Grenze, auf Vertex speichert Google 30 Tage nach Zustimmung zum Advanced AI Safety Addendum, auf der Anthropic API und Foundry speichert Anthropic. Nur die Enterprise Frontier Safeguards sollen das ab Herbst 2026 ändern; auf Bedrock gibt es für berechtigte Kunden schon ZDR bis Ende 2026.

Kann ich Claude über Vertex AI in einer einzelnen EU-Region wie Frankfurt betreiben?

Für die aktuellen Modelle nicht mehr. Opus 5, Sonnet 5 und Fable 5.1 sind für Europa nur als Multi-Region verfügbar; der EU-Endpunkt verteilt Anfragen auf mehrere EU-Regionen. Einzelregionen wie europe-west1 gibt es für ältere Modelle wie Haiku 4.5, dort mit festen Quoten, die ihr beantragen müsst. Googles Service Specific Terms binden die ML-Verarbeitung an die gewählte Geografie.

Quellen

Stand: 7. September 2026 · kontinent.ai. Angaben nach den verlinkten Anbieterdokumenten und eigenen Abfragen vom selben Tag; keine Rechtsberatung.