Zero Data Retention bei OpenAI, Anthropic und Google: Was sich im August und September 2026 geändert hat
Compliance & Datenschutz

Dominik Keller

Zero Data Retention (ZDR) bedeutet, dass ein KI-Anbieter eure Prompts und die Antworten des Modells nach der Verarbeitung nicht speichert: weder für Missbrauchsprüfungen noch für Training oder Support. Bei den großen Anbietern gibt es diese Zusage nur auf Antrag, und sie hat immer Ausnahmen. Im August und September 2026 haben OpenAI und Anthropic ihre Regeln dazu grundlegend geändert.
Binnen zwei Wochen gab es zwei Kehrtwenden. Am 19. August 2026 kündigte OpenAI an, Zero Data Retention auch für seine leistungsfähigsten Modelle beizubehalten und die Sicherheitsprüfung so umzubauen, dass dafür keine Kundeninhalte mehr gespeichert werden müssen. Am 1. September 2026 zog Anthropic nach: Die seit Juni geltende 30-Tage-Speicherpflicht für die Mythos- und Fable-Modelle soll durch „Enterprise Frontier Safeguards" abgelöst werden, bei denen die Überwachungsdaten im Cloud-Konto des Kunden liegen statt bei Anthropic.
Für Unternehmen in der EU stellt sich damit die Frage neu, welcher Anbieter welche Zusage macht, unter welchen Bedingungen, und was davon im Auftragsverarbeitungsvertrag tatsächlich ankommt. Dieser Artikel ordnet die Ankündigungen ein, stellt die Speicherregeln von OpenAI, Anthropic, Google und Microsoft nebeneinander und gibt euch eine Prüfliste für das nächste Anbietergespräch.
Das Wichtigste in Kürze
OpenAI behält Zero Data Retention für Frontier-Modelle bei und führt „Private Safety Processing" ein: Automatisierte Systeme erkennen Missbrauchsmuster, Mitarbeitende sehen keine Inhalte. Rollout ab September 2026, ein Whitepaper ist angekündigt.
Anthropic verlangt seit 9. Juni 2026 für Mythos 5, Mythos 5.1, Fable 5 und Fable 5.1 eine 30-tägige Speicherung, auch bei bestehenden ZDR-Verträgen. Mit Enterprise Frontier Safeguards (Rollout ab Herbst 2026) liegen die Überwachungsdaten im eigenen Cloud-Konto des Kunden. Bis dahin erhalten berechtigte Kunden ZDR für Fable 5 und Fable 5.1.
Bei allen US-Anbietern ist ZDR antrags- oder vertragsgebunden, nie Standard. Google bindet die Zusage an den bezahlten Tarif und an das Abschalten eines 24-Stunden-Caches, Microsoft an eine Freigabe für „Modified Abuse Monitoring".
„Keine Speicherung" gilt nie absolut: Meldepflichten, Legal Holds und geflaggte Inhalte bleiben bei allen Anbietern ausgenommen.
Bei kontinent.ai lässt sich ein API-Schlüssel auf Anbieter mit vertraglich belegter ZDR-Zusage beschränken. 9 von 14 angebundenen Anbietern erfüllen diese Stufe.
Inhaltsverzeichnis
Was Zero Data Retention bedeutet, und was nicht
Was OpenAI am 19. August 2026 angekündigt hat
Was Anthropic am 1. September 2026 geändert hat
Wo Google und Microsoft stehen
Vergleichstabelle: Speicherregeln der großen Anbieter
Was das für die DSGVO bedeutet
Checkliste: sechs Fragen an jeden Anbieter
Wie kontinent.ai damit umgeht
Häufige Fragen
Was Zero Data Retention bedeutet, und was nicht
Zero Data Retention beschreibt den Umgang mit euren Inhalten, nachdem die Antwort zurückgegeben wurde. Ohne ZDR speichern die großen Anbieter Prompts und Antworten für eine feste Frist, meist 30 Tage, um Missbrauch erkennen zu können. Mit ZDR entfällt diese Speicherung. Im Alltag werden drei verschiedene Zusagen damit verwechselt:
Zusage | Was sie regelt | Typischer Stand ohne Sondervereinbarung |
|---|---|---|
Kein Training | Ob Inhalte zum Trainieren oder Verbessern von Modellen genutzt werden | Bei API-Tarifen der großen Anbieter Standard. OpenAI seit 1. März 2023, Azure OpenAI vertraglich, Google nur im bezahlten Tarif. |
Zero Data Retention | Ob Inhalte nach der Antwort überhaupt gespeichert werden | Nur auf Antrag. Standard ist die Speicherung von bis zu 30 Tagen für Missbrauchsprüfungen. |
Datenresidenz | Wo gespeichert und verarbeitet wird | Getrennt zu buchen. Bei OpenAI setzt EU-Residenz ZDR oder Modified Abuse Monitoring voraus. |
Dazu kommt eine Einschränkung, die in jeder Anbieterdokumentation steht und in kaum einem Verkaufsgespräch: ZDR gilt für Endpunkte, nicht für Konten. Funktionen, die Zustand halten, speichern per Definition. Dazu zählen bei OpenAI Assistants, Threads und Vector Stores, bei Anthropic Code Execution und die darauf aufbauenden Werkzeuge, bei Google das Grounding mit der Google-Suche. Wer ZDR hat und eine dieser Funktionen nutzt, verlässt die Vereinbarung für diese Anfrage, ohne dass die API das blockiert. Anthropic schreibt das ausdrücklich in seine Dokumentation.
Was OpenAI am 19. August 2026 angekündigt hat
OpenAI hat am 19. August 2026 zugesagt, Zero Data Retention auch für kommende Frontier-Modelle anzubieten, und dafür ein neues Prüfverfahren namens „Private Safety Processing" vorgestellt. Die Definition von ZDR in der Ankündigung ist eng: OpenAI speichert Prompts und Antworten nach der Verarbeitung nicht, Personal hat keinen Zugriff auf Kundeninhalte, und Unternehmensdaten werden nicht zum Training genutzt, sofern der Kunde nicht ausdrücklich zustimmt.
Der technische Kern ist Private Safety Processing. Automatisierte Systeme analysieren die Aktivität über mehrere zusammenhängende Anfragen hinweg und erzeugen bei Verdacht ein eng begrenztes Signal, das nur die Kategorie des Verdachts benennt, nicht den Inhalt. Als Beispiele nennt OpenAI wiederholtes Austesten von Schutzmechanismen, koordinierte Aktivität über mehrere Konten und Agenten, die vom Auftrag des Nutzers abweichen. OpenAI kann auf Basis des Signals Maßnahmen ergreifen, das Personal bekommt die geflaggten Inhalte aber nicht zu sehen. Der Rollout beginnt im September 2026, parallel dazu will OpenAI ein Whitepaper zur Technik veröffentlichen.
Eine Ausnahme bleibt ausdrücklich bestehen: US-Recht verpflichtet OpenAI, mutmaßliche Darstellungen von Kindesmissbrauch zu melden. Bilder, die dafür geflaggt werden, bewahrt OpenAI auch unter ZDR zur manuellen Prüfung und Meldung auf.
In der Praxis ändert sich am Zugang nichts: ZDR gibt es weiterhin nur für „eligible customers" nach Freigabe durch OpenAI, der Weg führt über den Vertrieb. Laut API-Dokumentation gilt die Zusage für die Endpunkte Chat Completions, Responses, Embeddings, Audio, Images und Completions. Assistants, Threads und Vector Stores sind ausgeschlossen. Ist ZDR aktiv, wird der Parameter store bei Chat- und Responses-Aufrufen immer als false behandelt, selbst wenn eine Anfrage ihn auf true setzt. Wer zusätzlich EU-Datenresidenz über eu.api.openai.com möchte, braucht laut Dokumentation eine der Optionen ZDR, Modified Abuse Monitoring, Eyes Off oder Safety Retention sowie ein „Modified Retention Amendment" zum Vertrag.
Die Einordnung: OpenAI vertritt damit die Position, dass Sicherheitsüberwachung bei Frontier-Modellen keine Speicherung von Kundeninhalten erfordert. Das ist genau die Frage, an der Anthropic im Juni anders entschieden hatte.
Was Anthropic am 1. September 2026 geändert hat
Anthropic hat am 1. September 2026 „Enterprise Frontier Safeguards" (EFS) angekündigt, ein Verfahren, das Zero Data Retention mit automatisierter Missbrauchserkennung verbinden soll und die im Juni eingeführte Speicherpflicht ablöst. Um die Tragweite zu verstehen, lohnt der Blick auf die Vorgeschichte.
Die 30-Tage-Regel seit 9. Juni 2026. Anthropic hat Mythos 5, Mythos 5.1, Fable 5 und Fable 5.1 als „Covered Models" eingestuft. Für sie gilt laut Privacy Center: Prompts und Ausgaben werden 30 Tage gespeichert, und zwar auch dann, wenn die Organisation einen ZDR-Vertrag hat. ZDR-Workspaces mussten die Speicherung aktiv einschalten, um die Modelle überhaupt nutzen zu können. Menschliche Prüfung war auf Inhalte beschränkt, die automatisierte Systeme geflaggt hatten, und auf einen kleinen Kreis freigegebener Prüfer. Bei festgestellten Verstößen behält Anthropic Inhalte bis zu zwei Jahre und Klassifikationswerte bis zu sieben Jahre. Diese Regel gilt auf allen Bezugswegen, also auch über Amazon Bedrock und Google Cloud; dort bleiben die gespeicherten Daten in der Umgebung des jeweiligen Cloud-Anbieters.
Was EFS ändert. Die Aktivitätsdaten für die Überwachung sollen künftig im Cloud-Konto des Kunden liegen, etwa in Amazon S3, Azure Blob Storage oder Google Cloud Storage, unter Schlüsseln, die der Kunde kontrolliert. Die Prüfung läuft automatisiert; eine menschliche Prüfung durch Anthropic ist laut Ankündigung nicht mehr erforderlich. Erkennt das System ein auffälliges Muster, geht das Signal an den Kunden, dessen eigenes Team den Fall bewertet. Anthropic berechnet für EFS nichts; die Speicher- und Datenkosten fallen beim Cloud-Anbieter an. Entwickelt wurde das Verfahren nach eigenen Angaben mit mehr als 100 Kunden aus Finanzwesen, Gesundheit, Industrie, Telekommunikation, Recht, Handel und öffentlichem Sektor. Abgedeckt sind Claude Code, Claude Enterprise, die Claude Platform, Amazon Bedrock, die Claude Platform auf AWS, Googles Agent Platform und Microsoft Foundry. Der Rollout erfolgt in Phasen ab Herbst 2026, der Zugang läuft über ein Antragsformular.
Die Übergangsregel. Bis EFS verfügbar ist, erhalten berechtigte Kunden ZDR für Fable 5 und Fable 5.1. Für die Mythos-Modelle nennt die Ankündigung keine Übergangsregel, und die Plattformdokumentation führt alle vier Modelle weiterhin als Covered Models mit 30-Tage-Pflicht, „sofern nicht ausdrücklich von Anthropic autorisiert". Wer heute Claude mit ZDR nutzen will, muss also weiterhin nachfragen und die Freigabe schriftlich bekommen.
Die Einordnung: Anthropic gibt die Speicherung nicht auf, sondern verlagert sie. Die Daten liegen dann in eurem Cloud-Konto, unter eurer Kontrolle, in der Region, die ihr wählt. Das löst die Residenzfrage elegant, verschiebt aber auch die Arbeit. The Register brachte es am 2. September auf den Punkt: Die Kunden müssen selbst prüfen, ob es funktioniert hat. Wer die Signale nicht bearbeitet, hat die Überwachung faktisch abgeschaltet.
Wo Google und Microsoft stehen
Google und Microsoft haben ihre Regeln in diesen Wochen nicht geändert, aber sie sind die Vergleichsgröße, an der sich die beiden Ankündigungen messen lassen. Beide bieten ZDR an, beide binden es an Bedingungen, die man kennen muss.
Google Vertex AI (Gemini Enterprise Agent Platform). Laut Google-Dokumentation halten die Gemini-Modelle Ein- und Ausgaben standardmäßig 24 Stunden im Arbeitsspeicher, um Antworten zu beschleunigen. Der Cache ist projektisoliert und liegt nicht auf Datenträgern, zählt aber als Speicherung. Wer ZDR will, muss dieses Caching abschalten und darf die Sitzungsfortsetzung (Session Resumption) nicht aktivieren, die Daten ebenfalls bis zu 24 Stunden vorhält. Unabhängig davon darf Google nach Abschnitt 4.3 der Cloud-Nutzungsbedingungen Prompts zur Missbrauchserkennung protokollieren; wer davon betroffen ist und ZDR braucht, kann eine Ausnahme beantragen.
Gemini Developer API. Die Entwickler-API außerhalb von Google Cloud unterscheidet nach Tarif. Im kostenlosen Tarif nutzt Google die Inhalte, um Produkte zu verbessern, und menschliche Prüfer dürfen Ein- und Ausgaben lesen. Erst im bezahlten Tarif entfällt das, und nur dort lässt sich ZDR je Projekt beantragen. Selbst dann bleibt das Grounding mit der Google-Suche für 30 Tage gespeichert und lässt sich nicht abschalten; für die Interactions API muss store ausdrücklich auf false gesetzt werden.
Microsoft Azure OpenAI. Azure speichert Prompts und Completions bis zu 30 Tage für das Abuse Monitoring. Menschliche Prüfer sehen nur Inhalte, die das System geflaggt hat; für Deployments im Europäischen Wirtschaftsraum sitzen diese Prüfer laut Microsoft ebenfalls im EWR. Abschalten lässt sich die Speicherung über „Modified Abuse Monitoring", das nur „managed customers" auf Antrag bekommen. Ob es aktiv ist, zeigt die Ressource in der JSON-Ansicht des Azure-Portals: Der Wert ContentLogging: false erscheint nur dann. Aus unserer eigenen Erfahrung: Auf einem MCA-Individual-Vertrag war die Freigabe nicht zu bekommen; sie setzt in der Praxis einen Enterprise Agreement oder MCA-E voraus. Die EU Data Zone regelt nur den Ort der Verarbeitung (ein beliebiger EU-Mitgliedstaat), nicht die Speicherung.
Vergleichstabelle: Speicherregeln der großen Anbieter
Die Tabelle fasst den Stand vom 3. September 2026 aus den verlinkten Anbieterdokumenten zusammen. Die Spalte „Bleibt trotz ZDR" ist die wichtigste, weil sie in keinem Datenblatt vorn steht.
Anbieter | Standard ohne Sondervereinbarung | ZDR verfügbar? | Voraussetzung | Bleibt trotz ZDR |
|---|---|---|---|---|
OpenAI API | Abuse-Monitoring-Logs bis 30 Tage; kein Training seit März 2023 | Ja, künftig auch für Frontier-Modelle | Freigabe durch OpenAI; nur bestimmte Endpunkte; für EU-Residenz zusätzlich Vertragszusatz | CSAM-Bilder, gesetzliche Aufbewahrung; Assistants, Threads, Vector Stores |
Anthropic Claude API | Löschung binnen 30 Tagen; Covered Models zwingend 30 Tage seit 9. Juni 2026 | Ja per Vertrag; Übergang: Fable 5 und 5.1 für berechtigte Kunden; EFS ab Herbst 2026 | Vertrag über Vertrieb; EFS per Antragsformular; eigenes Cloud-Konto für Überwachungsdaten | Geflaggte Inhalte bis 2 Jahre, Klassifikationswerte bis 7 Jahre; Code Execution und darauf aufbauende Tools |
Google Vertex AI (Gemini) | 24-Stunden-Cache im Arbeitsspeicher; Prompt-Logging zur Missbrauchserkennung | Ja | Caching abschalten, Session Resumption aus, Ausnahme vom Logging beantragen | Grounding mit Google-Suche; von euch angelegte Dateien und Kontext-Caches |
Gemini Developer API | Kostenlos: Nutzung zur Produktverbesserung, menschliche Prüfung. Bezahlt: begrenzte Logs | Nur im bezahlten Tarif, je Projekt | Freigabe für das Projekt | Grounding 30 Tage; Interactions API nur mit |
Azure OpenAI | Bis 30 Tage für Abuse Monitoring; Prüfer für EWR-Deployments im EWR | Ja („Modified Abuse Monitoring") | Antrag; in der Praxis Enterprise Agreement oder MCA-E | Automatisierte Echtzeitprüfung; Zugriffsbeschränkung bei Verdacht |
Was das für die DSGVO bedeutet
Zero Data Retention ist keine gesetzliche Pflicht, aber die Speicherdauer beim Anbieter ist einer der Punkte, den ihr als Verantwortliche kennen, begründen und dokumentieren müsst. Vier Stellen der DSGVO hängen direkt daran:
Art. 5 Abs. 1 lit. e (Speicherbegrenzung): Personenbezogene Daten dürfen nur so lange gespeichert werden, wie es der Zweck erfordert. Eine 30-tägige Vorhaltung für Missbrauchsprüfung ist ein Zweck des Anbieters, nicht eurer. Ihr müsst ihn trotzdem im Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten abbilden.
Art. 28 Abs. 3 (Auftragsverarbeitung): Der AVV muss die Löschung oder Rückgabe nach Ende der Verarbeitung regeln. Steht ZDR nur in einer Konsoleneinstellung und nicht im Vertrag, habt ihr keine belastbare Zusage. Bei einem EU-Anbieter in unserem Katalog ist ZDR genau so ein Konto-Schalter, während die AGB dem Anbieter weiterhin eine breite Lizenz an Ein- und Ausgaben einräumen. Worauf ihr im AVV achten solltet, steht in der AVV-Checkliste für KI-Tools.
Art. 32 (Sicherheit der Verarbeitung): Daten, die nicht gespeichert werden, können nicht abfließen. ZDR reduziert eure Angriffsfläche und ist ein legitimes Argument in der Risikobewertung, aber nur, wenn ihr die Ausnahmen kennt.
Art. 35 (Datenschutz-Folgenabschätzung): Bei sensiblen Daten oder großem Umfang ist die Speicherdauer beim Anbieter ein Risikofaktor, den die DSFA benennen muss. Das gilt auch für den Fall, dass ein Anbieter die Regel nachträglich ändert, wie Anthropic es im Juni getan hat.
Zwei Dinge sollten getrennt im Vertrag stehen: „kein Training" und „keine Speicherung". Sie werden in Verkaufsgesprächen gern in einem Satz genannt, sind aber verschiedene Zusagen mit verschiedenen Ausnahmen. Wie ihr die drei großen Anbieter insgesamt DSGVO-konform einsetzt, mit Residenz, AVV und Drittlandtransfer, beschreibt der Beitrag OpenAI, Claude und Gemini in Europa nutzen ohne DSGVO-Risiko.
Checkliste: sechs Fragen an jeden Anbieter
Steht ZDR im Vertrag oder nur in der Konsole? Eine Kontoeinstellung kann der Anbieter ändern, ein Vertrag nicht einseitig.
Für welche Modelle und Endpunkte gilt es? Fragt ausdrücklich nach Ausnahmen für neue Modelle (Covered Models), zustandsbehaftete Funktionen und Grounding.
Was bleibt trotzdem gespeichert, und wie lange? Geflaggte Inhalte, Legal Holds, Caches, Batch-Eingaben. Lasst euch die Fristen nennen.
Wer prüft geflaggte Inhalte, und wo sitzt diese Person? Bei Azure im EWR, bei Anthropic ein kleiner Prüferkreis, bei OpenAI künftig niemand. Das gehört in die Drittlandbewertung.
Wie könnt ihr prüfen, dass es aktiv ist? Azure zeigt
ContentLogging: false, Anthropic den Speicherzeitraum unter Settings, Privacy Controls, OpenAI erzwingtstore=false. Prüft das nach jeder Vertragsänderung.Was passiert beim nächsten Modellwechsel? Der Juni 2026 hat gezeigt, dass eine ZDR-Zusage für ein neues Modell außer Kraft gesetzt werden kann. Vereinbart, dass ihr vor einer solchen Änderung informiert werdet.
Wie kontinent.ai damit umgeht
Wir stufen jeden angebundenen Anbieter in drei Stufen ein: vollständig (vertraglich belegte Zusage, keine Speicherung nach der Antwort), teilweise (Zusage mit dokumentierten Ausnahmen) und keine. Die Einstufung beruht auf dem Volltext der Verträge, nicht auf Marketingseiten, und jede Einstufung trägt ihre Quelle und das Prüfdatum. Stand heute erfüllen 9 von 14 Anbietern die vollständige Stufe. Vier stehen auf „teilweise": Mistral wegen Abuse-Logs, Scaleway wegen bis zu 24 Stunden gespeicherter Batch-Eingaben, AWS Bedrock, weil für bestimmte Modelle bis zu 30 Tage für Missbrauchserkennung gespeichert wird, und Nebius, weil ZDR dort eine Kontoeinstellung ohne Vertragsklausel ist. Azure OpenAI steht auf „keine", weil Modified Abuse Monitoring auf unserem Vertrag nicht verfügbar ist. Die Einstufungen mit Quellen sind im öffentlichen Anbieter-Ranking einsehbar.
Pro API-Schlüssel könnt ihr zwei Schalter setzen: „nur Anbieter mit Zero Data Retention" und „nur Anbieter mit Trainingsausschluss". Eine Anfrage, die auf einen Anbieter zielt, der die Bedingung nicht erfüllt, wird abgewiesen oder, wenn ihr Fallbacks konfiguriert habt, auf einen konformen Anbieter umgeleitet. Welcher Anbieter die Antwort tatsächlich geliefert hat, steht in jedem Log-Eintrag. Wir selbst protokollieren Metadaten wie Modell, Tokenzahlen und Latenz, aber keine Prompts und keine Antworten. Was ein LLM-Gateway darüber hinaus leisten sollte und wie sich Kontinent von anderen EU-Alternativen zu OpenRouter unterscheidet, steht in den verlinkten Beiträgen.
Wenn ihr Claude, GPT oder Gemini mit belastbaren Speicherzusagen aus der EU heraus nutzen wollt, tragt euch auf die Warteliste ein.
Häufige Fragen
Was ist Zero Data Retention?
Zero Data Retention ist die Zusage eines KI-Anbieters, Prompts und Modellantworten nach der Verarbeitung nicht zu speichern. Ohne diese Zusage halten die großen Anbieter Inhalte üblicherweise bis zu 30 Tage für Missbrauchsprüfungen vor. ZDR gibt es bei OpenAI, Anthropic, Google und Microsoft nur auf Antrag oder per Vertrag, und immer mit Ausnahmen für geflaggte Inhalte und gesetzliche Pflichten.
Ist Zero Data Retention nach DSGVO Pflicht?
Nein. Die DSGVO verlangt keine Nullspeicherung beim Anbieter, aber sie verlangt, dass ihr die Speicherdauer kennt, im AVV regelt und in der Risikobewertung berücksichtigt. ZDR erleichtert die Einhaltung von Art. 5 Abs. 1 lit. e und Art. 32, weil weniger Daten beim Auftragsverarbeiter liegen. Belastbar ist die Zusage nur, wenn sie im Vertrag steht.
Bedeutet ZDR, dass der Anbieter gar nichts speichert?
Nein. Alle Anbieter behalten Ausnahmen: OpenAI bewahrt geflaggte Missbrauchsdarstellungen für die gesetzliche Meldung auf, Anthropic speichert bei Verstößen Inhalte bis zu zwei Jahre, Google hält Grounding-Daten 30 Tage, und zustandsbehaftete Funktionen wie Assistants oder Code Execution speichern immer. ZDR gilt für definierte Endpunkte, nicht pauschal für das Konto.
Gilt ZDR bei Anthropic jetzt wieder für alle Modelle?
Noch nicht. Seit 9. Juni 2026 verlangen Mythos 5, Mythos 5.1, Fable 5 und Fable 5.1 eine 30-tägige Speicherung. Als Übergang bis zu den Enterprise Frontier Safeguards erhalten berechtigte Kunden auf Antrag ZDR für Fable 5 und Fable 5.1. Für die Mythos-Modelle nennt Anthropic keine Übergangsregel. Ohne ausdrückliche Freigabe bleibt es bei 30 Tagen.
Wie bekomme ich Zero Data Retention bei OpenAI?
Über den Vertrieb. OpenAI prüft die Berechtigung und schaltet ZDR für die Organisation frei; es gilt dann für Chat Completions, Responses, Embeddings, Audio, Images und Completions, nicht für Assistants, Threads oder Vector Stores. Wer zusätzlich EU-Residenz über eu.api.openai.com will, braucht laut Dokumentation außerdem ein Modified Retention Amendment zum Vertrag.
Ist „kein Training" dasselbe wie Zero Data Retention?
Nein. „Kein Training" heißt, dass Inhalte nicht zum Trainieren oder Verbessern von Modellen genutzt werden; das ist bei API-Tarifen der großen Anbieter Standard. Zero Data Retention heißt, dass Inhalte nach der Antwort gar nicht gespeichert werden; das ist nirgends Standard. Ein Anbieter kann das eine zusagen und das andere nicht. Beides gehört getrennt in den AVV.
Wie prüfe ich, ob ZDR bei meinem Anbieter aktiv ist?
Bei Azure OpenAI erscheint in der JSON-Ansicht der Ressource der Wert ContentLogging: false nur dann, wenn die Speicherung abgeschaltet ist. Bei Anthropic steht der Speicherzeitraum in der Claude Platform unter Settings, Privacy Controls. Bei OpenAI wird unter ZDR der Parameter store erzwungen auf false gesetzt. Prüft das nach jeder Vertrags- oder Modelländerung erneut.
Quellen
OpenAI, „Offering Zero Data Retention for frontier models", 19. August 2026
OpenAI API-Dokumentation, „Your data": Speicherfristen, ZDR-Endpunkte, EU-Residenz
Anthropic, „Developing Enterprise Frontier Safeguards with our customers", 1. September 2026
Anthropic Platform-Dokumentation, „API and data retention": ZDR-Umfang, Covered Models, Feature-Tabelle
Anthropic Privacy Center, „Data retention practices for Covered Models": 30-Tage-Regel seit 9. Juni 2026
Anthropic Privacy Center, „How long do you store my organization's data?"
Google Cloud, „Gemini Enterprise Agent Platform and zero data retention": 24-Stunden-Cache, Session Resumption, Abuse-Monitoring-Ausnahme
Google AI for Developers, „Zero data retention in the Gemini Developer API" und Gemini API Terms (Unpaid vs. Paid Services)
Microsoft Learn, „Data, privacy, and security for Foundry Models sold by Azure": Abuse Monitoring, Modified Abuse Monitoring, ContentLogging
The Register, „Anthropic promises zero data retention, but customers must check it worked", 2. September 2026
Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO), Art. 5, 28, 32 und 35
Stand: 3. September 2026 · kontinent.ai. Angaben nach den verlinkten Anbieterdokumenten; keine Rechtsberatung.